Energiewende
☀️Strom
🤝EEG Österreich
🔥Wärme
🚗Mobilität
Autor Mag. (FH) Michael Bernold, MSc · openbrain GmbH · Energy Innovation Engineering and Management, Donauuniversität Krems ·
Modell 1 · Im Gebäude
🏠
GEA
Gemeinschaftliche Erzeugungsanlage
§16a ElWOG 2010 / §70 ElWG — eingeführt 2017

Die GEA ist die einfachste Form: Mehrere Haushalte oder Betriebe im selben Gebäude oder Grundstück teilen eine gemeinsame PV-Anlage. Der Strom fließt über die gebäudeinterne Hauptleitung — das öffentliche Netz wird für den intern genutzten Anteil gar nicht beansprucht.

Kein Vereinsgründung, keine Genossenschaft — ein formloser Errichtungs- und Betriebsvertrag genügt. Praktisch ideal für Mehrparteienhäuser, Betriebsgebäude und Siedlungen. Österreichweit gibt es bereits über 3.000 GEAs.

Wichtig: Ab 1. Oktober 2026 (ElWG) wird auch die Durchleitung durch Sammelschienen der Hauptleitungen im Standortbereich ermöglicht — das erweitert die Möglichkeiten für GEAs.

ReichweiteGebäude / Grundstück
NetzebeneInterne Leitung — kein öff. Netz
NetzentgeltKeines (intern genutzter Anteil)
E-AbgabeEntfällt (bis 25.000 kWh/Jahr)
RechtsformKein Verein nötig
TeilnehmerAlle Zählpunkte im Gebäude
EnergieNur Strom
GewinnorientiertJa möglich
Modell 2 · Lokal oder Regional · Die beliebteste Form
🌍
EEG
Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft
§16c ElWOG 2010 / §§66ff ElWG — eingeführt 2021

Die EEG ist die beliebteste und am schnellsten wachsende Form — sie macht rund 80% aller Energiegemeinschaften aus. Haushalte, Gemeinden, Schulen und KMU schließen sich als Verein oder Genossenschaft zusammen und nutzen erneuerbar erzeugten Strom gemeinsam.

Anders als die GEA fließt der Strom über das öffentliche Netz — aber mit deutlich vergünstigten Netzentgelten. Es gibt zwei Varianten: Lokal (alle an derselben Trafostation, Netzebene 6/7) und Regional (erweitertes Netzgebiet, Netzebene 4/5).

Mitglieder können bis zu fünf Energiegemeinschaften gleichzeitig angehören (Mehrfachteilnahme). Der bestehende Stromanbieter bleibt — die EEG ergänzt nur.

Wichtig: EEGs dürfen nicht von Großunternehmen kontrolliert werden. Teilnehmer: natürliche Personen, KMU, Gemeinden, Schulen, lokale Behörden.

ReichweiteLokal oder Regional
Netzebene6/7 (lokal) · 4/5 (regional)
NetzentgeltStark vergünstigt (4–8 ct/kWh Ersparnis)
E-AbgabeEntfällt für EEG-Strom
RechtsformVerein oder Genossenschaft
TeilnehmerPersonen, KMU, Gemeinden
EnergieErneuerbar (PV, Wind, Wasser...)
EEG-Tarif Q1/2612,25 ct/kWh netto (lokal)
Modell 3 · Österreichweit
🇦🇹
BEG
Bürgerenergiegemeinschaft
§16b ElWOG 2010 / §§65ff ElWG — eingeführt 2021

Die BEG ist die flexibelste und reichweitenstärkste Form — sie kann sich über ganz Österreich erstrecken, unabhängig von Netzbetreibergrenzen. Neben Privatpersonen und KMU können auch große Unternehmen und Hausverwaltungen teilnehmen.

Der Nachteil: Da das allgemeine Stromnetz voll genutzt wird, fallen reguläre Netzentgelte an — keine Vergünstigung wie bei EEGs. Dafür keine geografischen Einschränkungen.

Praktisches Beispiel: Eine Familie in der Steiermark möchte den PV-Überschuss dem studierenden Kind in Wien zur Verfügung stellen — das geht nur über eine BEG.

Ab Oktober 2026 (ElWG): BEGs können auch in lokalen und regionalen Nahebereichen tätig werden und so ebenfalls vergünstigte Netzentgelte nutzen.

ReichweiteGanz Österreich
Netzebene1–7 (alle Ebenen)
NetzentgeltVolle Netzentgelte (kein Rabatt)
E-AbgabeVolle Abgaben
RechtsformVerein, GmbH, Genossenschaft...
TeilnehmerAuch Großunternehmen möglich
EnergieNur Strom (keine Wärme)
GewinnorientiertNein (primär Gemeinschaftsnutzen)
Schnellvergleich

Alle drei Modelle auf einen Blick

Merkmal 🏠 GEA 🌍 EEG (lokal) 🌐 EEG (regional) 🇦🇹 BEG
ReichweiteGebäudeTrafostationUmspannwerkÖsterreichweit
Netzentgelt-Ersparnis✅ ~8 ct/kWh✅ ~4–5 ct/kWh✅ ~2–3 ct/kWh❌ Keine
E-Abgabe entfällt✅ Ja✅ Ja✅ Ja❌ Nein
Rechtsform nötig❌ Nein⚠️ Verein/Genos.⚠️ Verein/Genos.⚠️ Ja
Großunternehmen⚠️ Möglich❌ Nein❌ Nein✅ Ja
Erneuerbar Pflicht❌ Nein✅ Ja✅ Ja❌ Nein
Mehrfachteilnahme✅ Bis 5✅ Bis 5✅ Bis 5✅ Bis 5
Wärme/Gas❌ Nur Strom✅ Strom + Wärme✅ Strom + Wärme❌ Nur Strom

Quellen: energiegemeinschaften.gv.at · ElWOG 2010 · ElWG (BGBl 2025/91) · Masterarbeit Bernold (2025) — Donauuniversität Krems

Innerhalb der EEG/GEA

Statische vs. dynamische Aufteilung

Wie wird der erzeugte Strom auf die Mitglieder aufgeteilt? Dafür gibt es zwei grundlegende Prinzipien:

📊 Statische Aufteilung
Jedes Mitglied erhält vorab einen fixen Prozentsatz des erzeugten Stroms — unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch. Einfache Abrechnung, geringe Komplexität. Nachteil: Wird weniger verbraucht als zugeteilt, wird der Rest ins Netz eingespeist statt intern genutzt — geringerer Eigenverbrauch.

Quelle: Österreichische Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften · Masterarbeit Bernold (Donauuniversität Krems 2025)